Fragmente Dysfunktion

Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Andrea Martina Reichel

 

Während das Begriffspaar in der Psychologie eine Verfasstheit und die Folge, die daraus erwächst, also etwa eine geistige Fragmentierung beschreibt, die psychische Funktionsstörungen erzeugt, verbinden sich die Begrifflichkeiten in der Kunst noch mit einer weitgehenderen Bedeutungsebene. Denn Bruchstücke und Störungen können als bewusst eingesetzte gestalterische Mittel fungieren, die darauf zielen, visuelle Gewohnheiten in Frage zu stellen, gewohnte Wahrnehmungsmuster aufzubrechen. 

Und immer schon ist das der Irritation des Betrachters dienende Spiel mit Seherfahrungen und Seherwartungen ein Kennzeichen der Avantgarde Kunst und ihrer Protagonisten gewesen, jenen Vorreiter*innen der Moderne, zu deren Anerkennung das Engagement von Künstlerinnen und Kunstförderinnen wie Käthe Kollwitz und Ida Dehmel maßgeblich beigetragen hat: Sie, die in ihrem Leben und Schaffen geltenden Normen und konventionellen Rollenbilden nicht entsprochen haben und nicht entsprechen wollten. 

 

In diesem Sinne ist dem vermeintlich Fehlerhaften eine durchaus positive Konnotation zuzusprechen. So bieten Leerstellen, ob durch fragmentarisch Überliefertes oder gezielt herbeigeführte Störungen entstanden, Raum für die eigene Phantasie und Kreativität, ermöglichen Brüche neue Sicht- und Interpretationsweisen zu eröffnen. Dieses Potential gilt es in der 1. Jahresausstellung 2026 künstlerisch auszuschöpfen. 

 

 

 

Galerie GEDOK Berlin

27.03.-10.05.2026

 

Suarezstraße 57, 14057 Berlin

www.gedokberlin.de

 

Selbstfragmentierung

Das kontrastreiche Schwarz-Weiß-Porträt, überlagert von einem honigwabenartigen Schattenspiel, zerlegt das Gesicht in multiple Facetten. Die geometrischen Muster suggerieren ein zersplittertes Ich, das von äußeren Strukturen beeinflusst wird. Dysfunktion oder eine andere Perspektive auf Identität? Bestehen wir aus abertausenden biographischen Fragmenten und setzt sich daraus nicht doch ein wunderbares, einzigartiges „ganzes“ Selbst zusammen oder zerfällt dieses?  Fragmentierung als Ausgangspunkt für kreative Neuinterpretation des Selbst.

Ina Abraham, 2026

"Sehr flüchtig" (Erinnerung an Ruth Schonthal) / Kooperation Rosa Dames und Ina Abraham
Ausstellung "Fragemtierung und Dysfunktion" in der gedok Berlin